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NABU, LBV und Birdlife küren den Kormoran zum Vogel des Jahres 2010

Jetzt haben wir den Salat - Vogelschützer reagieren offensiv auf  das vielerorts gefordertem Kormoranmanagement

Am 9.10.2009 platzte eine kleine Bombe.......NABU, LBV und etwas später Birdlife in Österreich kürten den Kormoran zum "Vogel des Jahres 2010" und leuteten damit eine weitere Runde im so genannten "Kormorankrieg" zwischen den entsprechenden Interessenverbänden ein. Das ist wohl die gewichtigste Folge des geplanten Kormoranmanagement innerhalb der EU-Mitgliedstaaten.

Damit zeigt der Bund für Naturschutz deutlich auf, das er offensichtlich keinen wirklichen Konsenz mit den Fischereiverbänden, Anglern und Berufsfischern sucht und diesbezüglich auch wenig bis gar nicht  kompromissbereit ist. Seitens des NABU ist der Kormoran schließlich kein "Problemvogel" und hat damit keine oder kaum negativen Auswirkungen auf die Unterwasserfauna in unseren Gewässern. Studien und Gutachten der Fischereiverbände werden vom NABU weiterhin missachtet bzw. als "nicht relevant oder falsch" ignoriert. Dabei entgeht den Verantwortlichen wohl, das es hier nicht um die Ausrottung einer Vogelart geht, sondern um eine Bestandskontrolle im Sinne des Umweltschutzes, die den gefährdeten Fischarten in unseren Gewässern zu Gute kommt. Da drängt sich natürlich die Frage auf ob Vogelschutz mit dem Schutz des Flossenwildes unvereinbar ist.

Entsprechend fiel die gemeinsame Reaktion aufgrund dieser Nominierung der beiden großen Fischereiverbände DAV und VDSF aus:

09.10.2009

"Der Kormoran wird Vogel des Jahres 2010 - besser kann man nicht dokumentieren, dass NABU und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) sich außerhalb jeglicher Vernunft und insbesondere außerhalb demokratischer Normen bewegen.

Am 04. Dezember 2008 haben mehr als 96 % aller Abgeordneten des Europäischen Parlamentes aus allen 27 Mitgliedsstaaten dafür gestimmt, wegen der extremen Populationszunahme des Kormorans in den letzten 20 Jahren ein europäisches Kormoranmanagement zu prüfen. Diese MdEP sind ausgestattet mit dem demokratischen Votum der Bewohner von 27 Mitgliedsstaaten: für NABU und LBV gilt das nicht, es ist für sie uninteressant, was die demokratisch gewählten Volksvertreter beschließen. Sie sind in den Augen von NABU-Funktionären anscheinend zu dumm, den wahren Sachverhalt zu begreifen, nur NABU und LBV allein haben den Durchblick.

In den einzelnen Bundesländern konnten im jahrelangen Kampf gegen eben solche Fundamentalisten und Negierer von Wahrheiten wie NABU und LBV Verordnungen zum Schutz der Fischbestände in den Teichanlagen, wo die Betreiber durch Kormoranfraß an den Rand des Ruins getrieben worden sind, Einhalt geboten werden. In den Bächen, Flüssen und Seen konnten Arten, die durch den Kormoran z. B. in den bayerischen Gebirgsflüssen zu 96 % (Äsche) ausgerottet worden sind, mit viel Mühe und großem finanziellem Aufwand wieder etwas besser geschützt werden.

All diese Verordnungen wurden durch gewählte Volksvertreter und in der Umsetzung durch die jeweils regierenden Parteien in den entsprechenden Ministerien nach jahrelangem Nachweis der realen Schäden beschlossen.

Für NABU und LBV noch lange kein Grund demokratisch gefasste Beschlüsse und Regelungen anzuerkennen.

Vielmehr werden erneut völlig unverfroren Unwahrheiten sowohl zum Kormoran als auch zu den Schäden und insbesondere zum Fraßverhalten dieser zweifelsfrei in unsere Vogelwelt gehörende Spezies veröffentlicht. Er gehört in unsere Tierwelt, er hat eine Existenzberechtigung, aber er hat eben so wenig wie jede andere Art das Recht, andere Arten auszurotten, nur weil er Federn hat.
NABU und LBV schrecken selbst vor so großen Lügen nicht zurück, dass "Edelfische" wie Äschen wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge nur geringere Anteile in der Nahrung ausmachen und deshalb kein Schaden eintreten könne. Die TU München hat den aus dem Kormoranfraß resultierenden Schaden bei Äschen mit 96 % sicher wissenschaftlich bestimmt.

Es interessiert sie auch nicht, dass mehr als 90 % aller typischer Fließgewässerfischarten auf der Roten Liste stehen und es ficht solche Kreise auch nicht an, wenn durch derartige Aktionen, wie sie nunmehr durch NABU und LBV initiiert werden, die Ausrottung noch viel schneller geht. Aber sie nennen sich Naturschützer.

Dabei betreiben sie vielmehr ein sehr abscheuliches Spiel, indem sie…. "wirtschaftlich unbedeutende "Weißfische" wie Rotaugen, Brachsen und andere Kleinfische...... zur radikalen Dezimierung durch den Kormoran frei geben; schließlich ist es ja kein so bedeutendes Leben wie bei einem "Edelfisch".

Das Benennen des Kormorans zum Vogel des Jahres 2010 ist ein Schlag in das Gesicht aller Demokraten und wirklichen Naturschützer. Es ist der hoffentlich letzte Versuch, das Rad der Entwicklung zurückzudrehen.

„Wir als die wirklichen Schützer der Natur werden auch in Zukunft viel Geld in die Hand nehmen und viel Zeit opfern, um die Artenvielfalt in den Gewässern, wie schon in den letzten 20 Jahren praktiziert, hoch zu halten, wir werden auch Arten, die keinerlei wirtschaftliche Bedeutung haben, wieder heimisch machen und wir werden insbesondere die Politiker und die politischen Parteien bitten, dieser Negation der Demokratie Einhalt zu gebieten, damit Recht, Ordnung und Sachverstand auch bei NABU und LBV wieder eine Heimstatt finden“ fassen die Präsidenten des VDSF und des DAV Peter Mohnert und Prof. Dr. Werner Steffens die große Verärgerung der Angler und Berufsfischer in Worte."


Offenbach und Berlin, den 9.10.2009

Aber auch regionale Fischereiverbände reagierten auf die Nominierung des Kormorans zum "Vogel des Jahres 2010":                                                                                                                         

Zitat vom Landesfischereiverband Baden-Württemberg:

"Der Landesfischereiverband Baden-Württemberg begrüßt die Wahl des Kormorans zum „Vogel des Jahres 2010“ durch den NABU und den Landesbund für Vogelschutz in Bayern. Wir hoffen, dass dadurch auch der Blick auf die stetig wachsenden Probleme gerichtet wird, die diese Vogelart in den letzten Jahren verursacht. Nach den vorliegenden, geschichtlichen Forschungen, z.B. durch das Landesamt für Denkmalspflege, war der Kormoran seit der Steinzeit in Süddeutschland extrem selten und trat nie in Massen auf. Seit den 80er Jahren nimmt der Brutbestand in Baden-Württemberg exponential zu, es bilden sich jedes Jahr neue Kolonien und ein Ende dieser Entwicklung ist derzeit nicht in Sicht.""Die Behauptung, der Kormoran würde vor allem wirtschaftlich unbedeutende Fischarten fressen, ist wissenschaftlich vielfach widerlegt und schlichtweg falsch. Besonders die Äsche ist in ihrem Verbreitungsgebiet auf dem Speiseplan des Kormorans weit überproportional vertreten und in der Zwischenzeit bereits in ihrer Existenz bedroht. Obwohl sich der Zustand unserer Gewässer in den letzten Jahren durch Millioneninvestitionen in Gewässerreinhaltung, Durchgängigmachung und Strukturverbesserung vielerorts stark verbessert hat, erleben nun auch die vom NABU als „unbedeutend“ bezeichneten Weißfischbestände starke Einbrüche. Die Nennung des Kormorans zum „Vogel des Jahres 2010“ stellt eine Möglichkeit dar, weite Teile der Öffentlichkeit auf die mit dem Vogel verbundenen Probleme hinzuweisen und eine sachliche Diskussion in Gang zu setzen, bei der alle Seiten gehört werden."

Zitat vom Landesfischereiverband Bayern:

"Bayerns Fischer mussten heute zur Kenntnis nehmen, dass von NABU und dem bayerischen Landesbund für Vogelschutz der Kormoran zum Vogel des Jahres 2010 kreiert wurde. Zugegebenermaßen eine gelungene Provokation gegenüber all denen, die sich für den Erhalt der heimischen Fischfauna einsetzen und die viel Geld in die Hand nehmen, um die durch den Fraßdruck des Kormorans stark dezimierte Fischfauna alljährlich wieder aufzubauen und zu erhalten. Dies betrifft die Teichwirtschaft, die alljährlich immense wirtschaftliche Verluste hinnehmen muss, aber auch die Angelfischerei sowie die Seenfischer gleichermaßen. Und dies alles vor dem Hintergrund, dass mehr als 90% der Fließgewässerfischarten auf der Roten Liste stehen und ein guter Teil davon vom Aussterben bedroht ist. Dass dafür der Fraßdruck des Kormorans eine wesentliche Ursache ist, wurde
vielfach wissenschaftlich belegt.  

Mit mehr als 2 Millionen Exemplaren in Europa, Deutschland und Bayern sind die Vögel so zahlreich und weit verbreitet wie nie zuvor! Auch hier wurde von den Vogelschützern „Neuland“ betreten; bislang wurden nur Vögel ausgewählt, die in ihrem Bestand bedroht waren und die mit ihrem Lebensraum geschützt werden mussten. Beim Kormoran trifft dies nicht zu. Sogar die Europäische Vogelschutzrichtlinie hat attestiert, dass er nicht mehr als gefährdet einzustufen ist. Oder ist dies eine Retourkutsche auf die Bemühungen der Fischer, endlich die überfällige Balance zwischen dem Kormoran und der Fischfauna herzustellen? Eine Instinktlosigkeit ist es allemal!

Der Bayerische Landtag hatte bereits am 07.05.2009 einen Beschluss mit Hilfen für die Fischereiwirtschaft und gefährdete Fischbestände gefasst und das federführende Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit beauftragt, eine Prioritätenliste der Gewässer zu erstellen, für die der Erlass entsprechender Allgemeinverfügungen durch die Regierungen der Bezirke vordringlich ist. Einige wenige Allgemeinverfügungen wurden zum Schutze der Teichwirtschaft vor dem Landtagsbeschluss erlassen, ansonsten ist bis zum heutigen Tage nichts geschehen. Es stellt sich die Frage, warum sich die Administration mit der Umsetzung des Beschlusses des Souveräns so schwer tut? Gerade den Naturschutzbehörden auf allen Ebenen (Ministerium, Regierungen, Landkreise) sollte es doch ein Anliegen sein, im Sinne der internationalen Convention on Biological Diversity (CBD) darauf zu achten, dass auch die Lebewesen unter Wasser sich entwickeln und reproduzieren können und das Verhältnis zu den Fressfeinden, insbesondere den Kormoranen, die wiederum keine natürlichen Feinde haben, ausbalanciert werden muss."

Auf die Statements der Fischereiverbände reagiert der NABU in einem Artikel auf seiner Homepage eher gelassen und verteidigt die Wahl des Kormorans zum "Vogel des Jahres 2010". Der NABU räumt dort aber gleichzeitig ein, das der Fraßdruck dieses Vogels zu Ertragsausfällen bei Teichwirten führen kann bzw. geführt hat. Der Kern des Problems liegt aber ganz woanders. Frieren die großen Binnenseen im Winter zu, so weicht der Kormoran auf die Fließgewässersysteme aus. Ganze Kolonien fallen dann dort ein und fressen diese nahezu leer. Erbeutet werden dann zunächst Freiwasserfische wie die Äsche. Erst nachdem im Freiwasser nichts mehr zu holen ist, weicht der Kormoran auf  die Fischarten aus, die Deckung und Verstecke aufsuchen.

Der NABU weist in seinem Infomaterial zudem darauf hin das der Kormoranbestand auch durch natürliche Feinde reguliert wird. Unter anderem werden dort der Seeadler und der Waschbär aufgeführt. Es ist schon traurig wenn eine Vogelart die aufgrund ihrer Seltenheit sicherlich schützenswerter ist eine Alibifunktion erfüllen soll. Des weiteren wird mit dem Waschbär ein Neozoe aufgeführt, der ursprünglich nicht in Europa vorgekommen ist und demzufolge nicht in die heimische Fauna gehört.

Im deutschen Fernsehen nahm man die Thematik auf und der SWR Baden-Würtemberg strahlte folgenden Beitrag aus: Beitrag des SWR zur Nominierung des Kormorans

Seitens des NABU's wurde inzwischen die Hompage www.kormoranfreunde.de online gestellt. Auf dieser ist eine PDF-Datei «Der Kormoran - Vogel des Jahres 2010»  eingestellt, die einen Anfgorderungskatalog enthält wie man sich dem Kormoran gegenüber verhalten sollte:

1.)NABU und LBV lehnen eine „Regulierung“ der Kormoranbestände durch Abschüsse ab.

Ich bitte zu bedenken - Nur kontrollierte und überwachte Abschüsse eröffnen die Möglichkeiten und Erfordernisse eines "Bestandsmanagements"! Bei allen anderen Methoden ist eine kontrollierte Bestandsregulierung nicht garantiert!

2.)In Schutzgebieten und an Küstengewässern ist jede Störung und Verfolgung der Kormorane zu vermeiden.

Ich bitte zu bedenken - In Naturschutzgebieten sind Störungen und Verfolgung rechtlich nicht erlaubt und damit wohl nicht zu erwarten!

3.)Kolonien und Schlafplätze von Kormoranen dürfen nicht gestört werden.

Ich bitte zu bedenken - Will man damit einem Spaziergänger daran hindern an einem Gewässer spazieren zu gehen bzw. einem Angler verbieten sein Revier aufzusuchen, sofern eine Kolonie Kormorane gestört werden könnte? Wer hat hier mehr Rechte? Ein Bürger der BRD oder ein Kormoran?

4.)Aktive, störende Vergrämungsmaßnahmen während der Brutzeit müssen unterbleiben.

Ich bitte zu bedenken - Selbstverständlich sollte man aktive und störende Vergrämungsmaßnahmen außerhalb der Brutzeit vornehmen!

5.)In Teichanlagen mit fischereiwirtschaftlichen Schäden sollten vorbeugende Maßnahmen wie das weitmaschige Überspannen von Teichanlagen mit Draht Vorrang haben.

Ich bitte zu bedenken - Damit sich die Tieren an den gespannten Drähten nach Herzenslust verletzen können während sie einfliegen?

6.)Der Einsatz von Lasergeräten muss aus Gründen des Tierschutzes und wegen gesundheitlicher Gefahren für Dritte unterbleiben.

Ich bitte zu bedenken - Eine Gefahr für Dritte besteht wohl kaum, da diese sich in der Regel nicht auf Bäumen aufzuhalten pflegen.

7.)NABU und LBV fordern die Unterstützung präventiver Abwehrmaßnahmen an Teichwirtschaften. Extensive Teichwirtschaften sollten eine landwirtschaftliche Grundförderung in Anerkennung ihrer Leistungen für das Gemeinwohl und den Naturschutz erhalten.

Ich bitte zu bedenken - Ist der NABU bereit diese Präventivmaßnahmen bzw. Entschädigungszahlungen finanziell zu tragen oder fordert man hier eigenmächtig finanzielle Mittel des Staates ein, die bei einer sinnvollen Bestandskontrolle nicht anfallen würden?

8.)NABU und LBV lehnen jegliche Vergrämungsmaßnahmen an natürlichen Gewässern ab. Ausnahmen sind nur in gut belegten Einzelfällen möglich, wenn zum Beispiel bedrohte Fischarten durch den Kormoran gefährdet werden.

Ich bitte zu bedenken - Längst ist leider die hier zitierte Ausnahme die Regel. Während sich der Kormoranbestand erholt hat und der gefiederte Freund nicht mehr vom Aussterben bedroht ist, sind inzwischen die meisten Fischarten in unseren Fließgewässern auf der roten Liste der gefährdeten Arten zu finden. Fischarten wie Äsche, Aal, Nase usw. leiden nachweislich extrem unter dem Fraßdruck des Kormorans! Ein Einzelnachweis wie vom NABU gefordert entbehrt damit eigentlich jeglicher Grundlage und ist somit überflüssig.

9.)NABU und LBV unterstützen auf lokaler Ebene gemeinsame Renaturierungsprojekte an Still- und Fließgewässern mit Anglern und Vogelschützern.

Ich bitte zu bedenken - Es reicht längst nicht mehr aus auf lokaler Ebene zu handeln. Naturschutz hört zudem nicht unterhalb der Wasseroberfläche auf  und ist vor allem überregional zu vollziehen.

10.)Fischfressende Vogelarten wie der Kormoran müssen als natürlicher Bestandteil unserer Gewässerökosysteme akzeptiert werden. Die Gewässerbewirtschaftung muss sich auf das Vorkommen
dieser Arten einstellen.

Ich bitte zu bedenken - Natürlich haben Fisch fressende Vogelarten unbestritten ihre Daseinsberechtigung in unseren Gewässerökosystemen. Allerdings darf hier das natürliche Gleichgewicht nicht durch künstlich erzeugte Überpopulationen einzelner Vogelarten zerstört werden. Eine Gewässerbewirtschaftung hat sich auch nicht nach dem Nahrungsbedarf der Kormoranpopulationen zu richten, sondern sollte von Natürlichkeit und Nachhaltigkeit geprägt sein.

Meinerseits wird hiermit festgestellt: Aus dem Kormoran ist längst ein reines Politikum geworden. Hier geht es nicht um den Erhalt und den Schutz einer Vogelart, sondern um das blanke Durchsetzen einer manifestierten Ansicht seitens der Vogelschützer. Weder Angler, noch Fischzüchter oder Berufsfischer wollen diesen Vogel wieder an den Rand der Ausrottung bringen. Sie streben lediglich den Erhalt eines verträglichen Bestandes in unserem Ökosystem an, der den bedrohten Fischarten ebenfalls Raum zum Überleben gibt.

Detlef Henkes